24. Februar 2016

Erster Gedenkstättentag der GSS


Im Februar 2016 fand der erste Gedenkstättentag für die zehnten Klassen der GSS statt. Die Fahrten führten zum einen zur Wewelsburg und zum anderen zum Stalag 326 in Schloß-Holte Stukenbrock.

Ziel dieser Aktion war es, den Schülerinnen und Schülern zu vermitteln, dass unsere freiheitliche Demokratie und unser Rechtsstaat kostbare Güter sind, die es – insbesondere heutzutage angesichts so genannter „besorgter“ Bürger – zu verteidigen gilt und um die man sich „sorgen“ muss.

Besuch der Wewelsburg

Die Klassen 10a und 10d eröffneten am 04. Februar die Reihe der Gedenkstättenfahrten. Mit dem Bus ging es zur Wewelsburg bei Paderborn, die im Dritten Reich von Heinrich Himmler, Reichsführer SS, zur zentralen Ordensburg und spirituellem Zentrum seiner Organisation ausgesucht worden war.

Mit großem Interesse und auch Bestürzung folgten die Schülerinnen und Schüler den Ausführungen der Museumspädagogen über die Geschichte der SS in der Wewelsburg, vor allem aber auch über das neben der Burg errichtete Konzentrationslager. In eben jenem KZ sowie bei Umbauarbeiten an der Burg selbst kamen vor Kriegsende ca. 1200 Menschen ums Leben, indem sie durch harte Arbeit vernichtet oder ermordet wurden.

Der Besuch der so genannten „Gruft“ im Nordturm der Burg sowie des darüber befindlichen „Obergruppenführersaals“ waren für die Schülerinnen und Schüler zwar beeindruckend, da die SS dort ihren spirituellen Mittelpunkt sah, doch das neue pädagogische Konzept der Wewelsburg ging auf: Durch bewusst respektlosen Umgang mit den Nazi-Relikten wurde von vornherein jegliche feierliche Stimmung unterbunden.

Respekt hingegen war den Schülerinnen und Schülern gegenüber den Opfern des nationalsozialistischen Terrors auf der Wewelsburg anzumerken, und es darf vermutet werden, dass der Eindruck dieses Besuches noch lange bei ihnen anhalten wird.

C. Blaue

Besuch des Stalag (Stammlager) 326 in Schloß-Holte Stukenbrock

Es dürfte den wenigsten Menschen im Kreis Gütersloh bekannt sein, dass sich „im besten Kreis der Welt“ leider auch ein Platz findet, der absolut gar nicht zum selbstauferlegten Slogan passen mag. Dieser Platz liegt im ansonsten beschaulichen Stukenbrock und erzählt noch heute die Geschichte der unmenschlichen Behandlung sowjetischer Kriegsgefangener in deutschen Lagern, sofern sie es denn überhaupt dahin schafften. Ein großer Teil dieser Soldaten, die während der Operation Barbarossa, dem Ostfeldzug Hitlers und seiner Schergen zur Eroberung neuen Lebensraumes, kam nämlich bereits auf dem Transport in diese Lager ums Leben. Ohne jegliche Versorgung, teils sogar ohne Überdachung, wurden die Soldaten mit Viehwaggons und ähnlichen Transportmöglichkeiten auf Schienen in das Deutsche Reich gekarrt. Wer nicht bereits wegen der physischen Strapazen auf der bisweilen 4.000 km langen Strecke ums Leben kam, den erwartete die Gefangenschaft in einem Lager, dem selbst diese Bezeichnung spottete, denn es war quasi bis auf eine Umzäunung nicht existent. Die Soldaten gruben sich Löcher in die Erde, um überhaupt eine „Behausung“ zu haben und nicht gänzlich Wind und Wetter ausgesetzt zu sein. Wer auch das überlebte, dem raubte das harte Lagerleben, die schwere Zwangsarbeit oder, und dies ist die Todesursache Nummer 1 gewesen, der Hunger den Lebensatem. So kam es, dass sich heute unweit des Stalags 326 der größte Friedhof für sowjetische Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter in ganz Europa mit insgesamt 65.000 beerdigten, oder um es ehrlicher, wenngleich drastischer zu formulieren, entsorgten Menschen befindet.

Die Klassen 10e und 10c unserer Schule konnten sich am 18.02. gemeinsam mit ihren Lehrkräften Frau Füchtenbusch und Herrn Aydin direkt vor Ort ein Bild von diesem Grauen machen. Dass dies so einprägsam und anschaulich vonstatten ging, haben wir insbesondere den Mitarbeitern der Dokumentationsstätte Frau Bultmann, Frau Westerhelweg (beides übrigens ehemalige Lehrerinnen unserer Schule) sowie Frau Kraatz zu verdanken. Sowohl die Dokumentationsstätte in einem noch erhaltenen Teil des ehemaligen Lagers, auf dessen Gelände sich heute ein Flüchtlingsheim und das Polizeibildungszentrum befinden, als auch der Besuch auf dem Friedhof, haben bei den SchülerInnen einen bleibenden Eindruck hinterlassen und die Geschehnisse noch nahbarer zu erfahren ermöglicht.

Alle Beteiligten waren der Auffassung, dass ein Besuch des Stalags 326 auch in Zukunft im Rahmen des Gedenkstättentages unserer Schule definitiv als Ziel beibehalten werden sollte.

M. Aydin

Bilderquelle Wewelsburg: Von 570_Wewelsburg.JPG: Harald Köster, Bochum, Germanyderivative work: Alupus (talk) - 570_Wewelsburg.JPG, CC BY-SA 2.5, commons.wikimedia.org/w/index.php


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